Powersharing

“Being oppressed means the absence of choices”
bell hooks

Teilen von Macht und Möglichkeiten

Powersharing bedeutet, als gesellschftlich in einer Diskriminierungsform dominant positionierte Personen, meine Macht zu teilen und die Möglichkeiten, die meine Position mir bietet, zu nutzen, um mich gegen Diskriminierung einzusetzen. Powersharing ist also etwas, das Menschen tun können, wenn sie von gesellschaftlichen Ungleichheiten profitieren.

Gesellschaftliche Privilegien verschaffen Vorteile, die im Alltag zum Beispiel dazu führen, dass es einfacher ist, Arbeit oder eine Wohnung zu finden, von Behörden ernst genommen zu werden, in der Schule „gute Noten“ zu haben und leichter voranzukommen oder auch überhaupt gesehen und ernstgenommen zu werden. Vorstellungen von Ungleichwertigkeit und Vorurteile sind in der Gesellschaft tief verwurzelt. Eine helle Hautfarbe, ein hohes Einkommen, ein „deutsch klingender“ Name oder eine (cis*geschlechtliche) männliche Geschlechtszugehörigkeit können vieles einfacher machen und Türen öffnen, die anderen verschlossen bleiben.

Verbündetenschaft

Beim Powersharing geht es darum, gegenüber Personen, die Diskriminierungen erfahren, aus einer Position der Verbündetenschaft zu handeln. Es geht darum, Vorteile mit Menschen zu teilen, die diese Privilegien nicht haben. Das kann ganz praktisch z.B. bedeuten, Räume zur Verfügung zu stellen oder bei rassistisch motivierten Polizeikontrollen Aufmerksamkeit zu zeigen und als Zeug_in dazubleiben, weil man als weiße Person weniger zu befürchten hat.

Powersharing fängt im Privaten an und kann z.B. auch heißen, „Stammtischdebatten“ unterm Christbaum zu widersprechen, auch wenn das heißt, in der Familie als „überempfindlich“ oder als „Spaßverderber_in“ abgestempelt zu werden.

Wenn z.B. mal wieder eine cis*geschlechtliche Ärztin oder Psychotherapeutin von Medien als „Expertin“ zum Thema Trans*Geschlechtlichkeit für ein Interview angefragt wird, kann sie ihren Einfluss nutzen und an trans* Personen weiterverweisen.

Zuhören und zur Seite stehen

Was Powersharing nicht sein darf, ist zu denken, selber zu wissen, was für diskriminierte Personen das Richtige ist. Verbündetenschaft kann nicht heißen, zu bestimmen und Leitungsfunktionen zu übernehmen. Bevormundung ist auch Unterdrückung!

Es geht also nicht darum, selber irgendwelche gut gemeinte Aktionen zu starten oder sich als Retter_in aufzuspielen. Von Diskriminierung betroffene Menschen wissen selbst am besten, was ihnen hilft und welche Forderungen sie stellen. Wichtig in der Position als Verbündete_r ist es, zuzuhören und da zu unterstützen, wo es gebraucht wird. Wenn ich gesellschaftliche Machtverhältnisse nicht reproduzieren will, ist Verbündetenschaft immer eine dienende, keine führende Position.

Bei meinen Schulungsangeboten zu geschlechtlicher Vielfalt für Fachkräfte geht es immer auch darum, eine Haltung der Verbündetenschaft zu entwickeln. Dabei bemühe ich mich um eine intersektionale Perspektive. Bei Beratung und Veranstaltungen für Personen, die selber queer positioniert sind, steht demgegenüber Empowerment im Vordergrund.