inter*

„I believe that both sex and gender are in part social constructs. But they take place
in the body, and so are simultaneously biological.“

Anne Fausto-Sterling

inter* in a nutshell

Es herrschte lange die Ansicht, dass sich unsere Gesellschaft ganz klar in männliche und weibliche Menschen aufteilen lässt. Doch die Natur ist vielfältiger, grenzt nicht immer genau ab, mag fließende Übergänge und der menschliche Körper kann Anteile von verschiedenen Geschlechtern aufzeigen. Manche dieser Merkmale sind sichtbar, andere nur im Labor nachweisbar.

Inter* ist ein Begriff, der sich aus der Community entwickelt hat. Er meint als emanzipatorischer und inklusiver Überbegriff die Vielfalt von Variationen körperlicher Geschlechtsmerkmale und benennt intergeschlechtliche Realitäten, Körperlichkeiten und Selbstbezeichnungen.

Inter* umschreibt die gelebte Erfahrung, mit einem Körper geboren zu sein, der den normativen Vorstellungen von Geschlecht in Medizin und Gesellschft nicht entspricht. Das kann z.B. Variationen der Chromosomen, der Geschlechtsorgane und/oder der Geschlechtshormone betreffen.

Pathologisierung von inter*

Die Norm einer vermeintlichen strikten Zweigeschlechtlichkeit hat dazu geführt, dass inter* von der Medizin bis heute als krankhafte und behandlungsbedürftige Normabweichung betrachtet wird. Das äußert sich z.B. darin, dass von „Disorders of Sexual Development (DSD)“ gesprochen wird, auf deutsch: „Störungen der Geschlechtsentwicklung.“

Es gibt eine lange Geschichte von schweren Menschenrechtsverletzungen und gewaltvollen uneingewilligten Behandlungen von inter* Personen im Medizinsystem. Normierende kosmetische Operationen an inter* Kindern sind in Deutschland erst seit 2021 verboten – und das Gesetz hat noch immer erhebliche Schutzlücken und umfasst längst nicht alle Eingriffe. Die Menschenrechtsverletzungen an inter* Personen durch die Medizin wurden u.a. von Amnesty International dokumentiert und kritisiert (siehe hier).

Innerhalb bes Medizinsystems tauchen immer wieder sprachliche Beschönigungen des Begriffes DSD auf. Zum Beispiel wird von „Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung“, oder „Varianten der Geschlechtsentwicklung“ gesprochen. Diese euphemistischen Begriffe ändern nichts an der fortbestehenden Pathologisierung und werden von der menschenrechtsbasierten internationalen Community und von Inter*Organisationen abgelehnt.

Längst nicht alle Formen von inter* sind bei der Geburt sichtbar. Viele Variationen fallen erst später im Leben auf, z.B. in der Pubertät oder im Erwachsenenalter. Manche Menschen wissen aber auch gar nicht, dass sie intergeschlechtlich sind. Nach einem Faktenpapier der Free und Equal Kampagne der Vereinten Nationen fallen je nach Sichtweise ca. 0,05% bis zu 1,7% der Bevölkerung unter das Inter* Spektrum.

inter* ist keine Identität

2017 hat eine inter* Person vor dem Bundesverfassungsgericht erstritten, dass es neben weiblich und männlich eine dritte Option beim amtlichen Geschlechtseintrag geben muss. Das heißt aber nicht, dass sich alle inter* Personen als weder Mann noch Frau verstehen. Inter* ist eine Frage der Körperlichkeit, nicht der Identität und viele inter* Personen identifizieren sich als Frau oder Mann; einige auch als nicht-binär. Strikte Normen, wie Frauen und Männer auszusehen haben, sind eine wesentliche Legitimation der medizinischen normierenden Gewalt gegen inter* Personen. Zur Entpathologisierung und Anerkennung von inter* gehört daher wesentlich, Frauen und Männer auch dann in ihrer Selbstwahrnehmung anzuerkennen, wenn ihre Körper nicht medizinischen Normvorstellungen entsprechen.

Bildung zu geschlechtlicher Vielfalt

Gemeinsam mit Doro* Giesche – von Rüden biete ich Schulungen für Fachkräfte zu geschlechtlicher Vielfalt an, die sowohl trans* als auch inter* thematisieren. Ich übernehme als dyadische (nicht inter*) Person dabei vorrangig den Part zu trans*, Doro* als inter* Person den Part zu inter*. Doro* ist als Berater*in in der Inter*Beratung Bremen tätig.